Deutsche Segelflugmeisterschaft Clubklasse 2026

Burg Feuerstein, Germany,   June 10, 2026 – June 26, 2026

160 km/h – schneller erlaubt der Vertrag nicht

Guten Abend vom Feuerstein!

438 Kilometer, die längste Aufgabe des Wettbewerbs. Am Morgen wurde noch geschimpft: zu groß, zu weit, das wird ein langer Tag. Wurde es nicht. Das Feld spult die Strecke mit über 100 km/h ab, an der Spitze mit 110 – gut vier Stunden hoch bis an den Thüringer Wald und zurück, so schnell wie an keinem Tag zuvor.

Gewonnen hat ausgerechnet der, der eigentlich alles falsch gemacht hat. Uwe Wahlig, Gesamtführender, hatte den Pulk an der ersten Wende schon fast eingeholt. Er hätte taktisch nur eindrehen und mitfliegen müssen. Stattdessen sieht er auf seiner Skysight XC Speed Wetterkarte ein weißes Loch auf Kurs – und zieht allein in die Oberpfalz. „Ich saß danach im Flugzeug und hab gedacht: Warum ruft mich keiner an und sagt, mach nicht so einen Scheiß?"

Niemand rief an. Und es war goldrichtig. Während sich die anderen durch das weiße Loch quälten, zog Uwe über die Oberpfalz zur Frankenwaldkante, kurbelte einmal hoch – „und dann war's göttlich, nur noch gesegelt". 110 km/h Schnitt, der schnellste Tag des ganzen Wettbewerbs, Tagessieg. Genau einen Tag, nachdem ihn das vorsichtige Pulkfliegen noch auf Platz 21 gespült hatte.

Und jetzt das, was man von außen nie sehen würde: Uwe fliegt nie schneller als 160 km/h vor. Nicht aus Vorsicht. Sondern weil oberhalb von 160 km/h sein Starlink-Empfang abreißt – und an dem hängt das komplette LX Cockpit. Satellitenbild, Live-Steigwerte der Konkurrenz, Wetterkarten, alles streamt mit. „Ich hab den Vertrag halt nur bis 160." An einem früheren schnellen Tag flog er mal 180. Danach war der Empfang den ganzen Flug weg.

Mitten im Interview ist Schluss. „Du, mein Kuchen ist fertig." Gebacken hat ihn nicht Uwe, sondern sein Bruder – der steht am Boden, sagt ihm im Flug an, wann die Konkurrenz abfliegt, und hat nebenher einen Apfelkuchen in den Ofen geschoben. Der ist jetzt fertig. Ende des Interviews. So sieht eine gut aufgestellte Mannschaft aus.

Dahinter wurde sauber abgeliefert. Leon Bohnenkamp, Tageszweiter, hatte am Vortag noch mit dem Druck des zweiten Gesamtplatzes gehadert und abends seinen Trainer angerufen. Dessen Tipp: sich unterwegs Sehenswürdigkeiten merken und am Ende aufzählen – irgendetwas, das den Kopf vom Ergebnis wegzieht. Hat funktioniert. „Knüppel nach vorne, all or nothing." Den besten Bart Deutschlands gab's obendrauf: 5,0 am Stück über dem Thüringer Wald, von ihm und Teampartner Moritz per Funk hochgejubelt wie ein Tor.

Und Justus Sander? Hält sein Podest, bleibt Gesamtdritter, bleibt bescheiden. „Ich bin glaub gar nicht aufs Podium, Leon war schneller." War er – Justus ist Tagesvierter und steht im Klassement weiter auf Platz 3. Einer, der jeden Tag liefert und sich jedes Mal selbst wundert, dass es gereicht hat.

In der Gesamtwertung zieht Uwe Wahlig mit 5.430 Punkten wieder davon, 439 vor Bohnenkamp. Dahinter bleibt es eng: Die Plätze drei bis acht liegen in nur 126 Punkten. Zwei Wertungstage stehen noch aus – genug, dass sich hinten noch alles dreht. Die Tabelle bleibt weiterhin mit Bleistift geschrieben. Uwe drückt nur gerade etwas fester auf.

Bis morgen...

Written by: Christian Maex on June 24, 2026 at 8:27 PM.

Latest winner

1. Uwe Wahlig 112.88 km/h
2. Matthias Greiner 112.32 km/h
3. Christopher Hanson 108.20 km/h
Updated: 6/25/26, 8:59 PM

Latest task

Task 11, Jun 25, 2026
Task distance: 265.14 km  /  517.36 km  (307.37 km)
Task duration: 4:00:00
Updated: 6/25/26, 9:26 AM